Neufassung der DIN EN 16798-3

Eine der bedeutendsten Richtlinien für die Lüftung von Nichtwohngebäuden hat nach neun Jahren eine umfassende Überarbeitung erhalten. Mit Bezug auf Luftfilter sieht die neue DIN EN 16798-3:2026-10 drei bedeutende Änderungen vor:

1. Verschärfte Grenzwerte für Luftqualitäten
2. Anpassung an die DIN EN ISO 16890
3. Forderung nach Molekularfiltern

Wer ist betroffen?

Die EN 16798-3 gilt für die Lüftung aller Nichtwohngebäude in Europa, die für den Aufenthalt von Menschen bestimmt sind. Sie wird angewendet für Neuanlagen, aber auch für die energetische Bewertung, den Umbau und die Renovierung von Bestandsanlagen und richtet sich besonders an Planer, Installateure, Hersteller, Gebäudeeigentümer und- nutzer sowie Regulierungsbehörden.

Als Bestandteil des EPB-Normensets ist die EN 16798 ein Werkzeug zur Umsetzung der EPBD (Energy Performance of Buildings Directive). Über die EPBD besteht ein Zusammenhang zum übergeordneten, europäischen Grünen Deal, der u. a. durch eine Renovierungswelle umweltfreundlichere Gebäude und bessere Lebensbedingungen schaffen soll.

Änderungen im Detail

1. Verschärfte Grenzwerte für Luftqualitäten
Verglichen mit der alten DIN EN 16798-3 werden leicht erhöhte Filterklassen empfohlen. Das resultiert direkt aus den verschärften Grenzwerten der WHO Luftgüteleitlinien 2021. Die Grenzwerte sind die Grundlage für die Klassifizierung der Außen- und Zuluft in der Norm.

Die DIN EN 16798-3 teilt für die Anlagenauslegung die Außenluftqualität in drei Klassen (ODA 1 – ODA 3) und die Zuluftqualität in fünf Klassen (SUP 1 – SUP 5) auf. Die neuen Grenzwerte für die Klassifizierung der Luftqualität sind Tabelle 1 zu entnehmen. Die Grenzwerte der WHO entsprechen dabei den Klassen ODA 1 bzw. SUP 4.

Neu ist die zusätzliche Bewertung der Luftqualität anhand von Schadgasen, anstatt wie bisher ausschließlich anhand von Feinstaub. Die Klassen der Außen- und Zuluft beziehen sich entweder auf Feinstaub und werden mit einem (P) markiert oder auf Schadgase und werden mit einem (G) gekennzeichnet.

Kategorie
Feinstaub (P)
Gase (G)
Außenluft

Zuluft
PM10
µg/m3
PM2,5
µg/m3
NO2
µg/m3
SO2
µg/m3
O3
µg/m3
-
SUP 1
≤ 3,75
≤ 1,25
≤ 2,50
≤ 10,00
≤ 15,00
-
SUP 2
≤ 7,50
≤ 2,50
≤ 5,00
≤ 20,00
≤ 30,00
-
SUP 3
≤ 11,25
≤ 3,75
≤ 7,50
≤ 30,00
≤ 45,00
ODA 1
SUP 4
≤ 15,00
≤ 5,00
≤ 10,00
≤ 40,00
≤ 60,00
ODA 2
SUP 5
≤ 22,50
≤ 7,50
≤ 15,00
≤ 60,00
≤ 90,00
ODA 3
-
> 22,50
> 7,50
> 15,00
> 60,00
> 90,00
1: Grenzwerte für die Klassen der Luftqualität nach DIN EN 16798-3:2026-10

2. Anpassung an die DIN EN ISO 16890
Seit 2018 hat die DIN EN ISO 16890 die DIN EN 779 als Klassifizierungsnorm für Luftfilter abgelöst. Normen und Standards wie VDI 6022-1, VDI 3803-4 oder Eurovent 4-23 beziehen sich bereits auf die aktuelle Klassifizierung. Nun folgt die DIN EN 16798-3 und harmonisiert so den Stand der Technik in Europa.

Tabelle 2 zeigt die aktuelle Empfehlung für Feinstaubfilter. In Abhängigkeit von der vorliegenden ODA-Klasse und der gewünschten SUP-Klasse wird eine darauf angepasste Filtereffizienz für das System empfohlen.

Kategorie
SUP 1 (P)
ePM1
SUP 2 (P)
ePM1
SUP 3 (P)
ePM2,5
SUP 4 (P)
ePM10
SUP 5 (P)
ePM10
ODA 1 (P)
70 %*
50 %*
50 %**
50 %
50 %
ODA 2 (P)
80 %*
70 %*
70 %**
80 %
50 %
ODA 3 (P)
90 %*
80 %*
80 %**
90 %
80 %
2: Die empfohlene mittlere Filtereffizienz in Abhängigkeit von der Außenluftqualität ODA
* Die letzte Filterstufe soll mind. ePM1 50 % aufweisen.
** Die letzte Filterstufe soll mind. ePM2,5 50 % aufweisen.

Es handelt sich um kumulative Effizienzwerte, es wird also die Effizienz aller Filter zusammengerechnet. Wird z. B. eine mittlere Filtereffizienz von 70 % empfohlen, kann diese z. B. durch einen ISO ePM1 65% Filter zusammen mit einem ISO ePM10 50 % Vorfilter erreicht werden.

3. Forderung nach Molekularfiltern
Einen Umbruch stellt die neue, konkrete Anforderung an die Schadgasfiltration dar. Bisher gab es lediglich einen vagen Hinweis, bei zu hohen Belastungen entsprechende Filter zu nutzen. Das lag auch an fehlenden Filterklassen für die Molekularfilter, die meistens aus einem Aktivkohlemedium bestehen.

Mit der EN ISO 10121-3 gibt es mittlerweile Filterklassen für Molekularfilter (siehe auch „ISO 10121-3“). Genau auf die Klassen und die jeweilige Filtereffizienz in Prozent bezieht sich die DIN EN 16798-3 in ihrer konkreten Filterempfehlung. Das Vorgehen bei der Auslegung ist dabei analog zu den Partikelfiltern.

Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: Derselbe Molekularfilter wirkt gegen verschiedene Gase unterschiedlich effizient. Somit ergeben sich verschiedene Filterklassen in Bezug auf die jeweiligen Gase, die er abscheiden kann. Für die Filterauslegung in der DIN EN 16798-3 ist entscheidend, welches der drei Gase NO2, SO2 oder O3 seinen SUP 1-Grenzwert der WHO am stärksten überschreitet. Nur gegen das jeweilige Gas wird dann der Einsatz eines Molekularfilters nach der folgenden Tabelle empfohlen.

Kategorie
SUP 1 (G)
SUP 2 (G)
SUP 3 (G)
SUP 4 (G)
SUP 5 (G)
ODA 1 (G)
70 %*
-
-
-
-
ODA 2 (G)
80 %**
70 %**
50 %*
-
-
ODA 3 (G)
90 %**
80 %**
70 %*
-
-
3: Notwendige / Empfohlene Filtereffizienz gegen das entsprechende Schadgas
* Empfohlen
** Notwendig

Fazit

Im Bereich der Feinstaubfiltration passt sich die DIN EN 16798-3 der gängigen Praxis an. Eine Filterbezeichnung nach DIN EN ISO 16890 und eine Auslegung nach verschärften Grenzwerten werden in vergleichbaren Standards in Deutschland schon seit Längerem umgesetzt. Hier ist kein großer Umbruch, vielleicht aber der Anstoß zur Überarbeitung der ein oder anderen veralteten Filterauslegung zu erwarten.

Anders sieht es bei der Gasfiltration aus. Molekularfilter sind in der Aufbereitung von Außenluft für Innenräume bisher kaum verbreitet. Die konkrete Einsatzempfehlung in der Norm wird die Anlagenplanung in Zukunft um eine Facette erweitern. Trotzdem lässt sich nur mit Molekularfiltern ein ganzheitlicher Ansatz für gesundheitlich zuträgliche Luft umsetzen. Gerade in stark belasteten Gebieten durch Verkehr oder Industrie, haben Schadgase vergleichbare negative Auswirkungen auf Menschen wie Feinstaub.

Die Norm geht so einen wichtigen Schritt, um einheitliche, gesunde Lebensbedingungen in Gebäuden umzusetzen.